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Wie „gesund“ ist unser Leitungswasser wirklich?

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Wie „gesund“ ist unser Leitungswasser wirklich? - Wie „gesund“ ist unser Leitungswasser wirklich?

Wie „gesund“ ist unser Leitungswasser wirklich?

Leitungswasser gilt in Deutschland als besonders sicher. Es wird regelmäßig kontrolliert und gilt als eines der strengsten Systeme weltweit – und doch lohnt sich ein genauerer Blick hinter die Kulissen. Denn die Realität ist komplexer, als viele Verbraucher denken.

1. Die Begrenzung der getesteten Stoffe

Aktuell werden im deutschen Trinkwasser nur etwa 55 Parameter regelmäßig überprüft. Dazu gehören beispielsweise Nitrat, Nitrit, Chlorid, Sulfat, bestimmte Metalle wie Blei oder Kupfer sowie die mikrobiologischen Standardwerte (Koliforme, E. coli, Enterokokken).

Auf den ersten Blick mag das nach einer umfassenden Kontrolle aussehen, doch Wissenschaftler warnen: In unseren Wassersystemen können theoretisch hunderte weitere Stoffe vorkommen – von Rückständen aus Medikamenten über Pestizide bis hin zu Industriechemikalien. Viele dieser Substanzen werden nicht routinemäßig überwacht.

2. Grenzwerte – flexibel und politisch beeinflusst

Die Werte, ab denen Stoffe als „gesundheitsgefährdend“ gelten, werden regelmäßig angepasst. Das klingt positiv, da moderne Forschung berücksichtigt wird. Gleichzeitig zeigt die Praxis: Grenzwerte sind nicht ausschließlich gesundheitlich motiviert, sondern oft auch politisch und wirtschaftlich beeinflusst. Ein Stoff kann als unbedenklich gelten, obwohl Langzeitwirkungen noch nicht vollständig erforscht sind.

Diese Anpassungen führen zu einer paradoxen Situation: Wasser, das laut Gesetz „gesund“ ist, kann trotzdem Spuren von Chemikalien enthalten, die wir langfristig lieber vermeiden würden.

3. Alte Rohrleitungen – ein unterschätztes Risiko

Nicht nur die Inhaltsstoffe im Wasser selbst sind kritisch, auch die Transportwege können die Qualität beeinflussen. Viele ältere Gebäude verfügen noch über veraltete Rohrleitungen, die Materialreste, Ablagerungen oder Biofilme enthalten können.

  • Verkeimte Rohre bieten Bakterien, Legionellen oder Pilzen eine Nische, selbst wenn das Wasser das Haus sauber erreicht.

  • Korrosion und Ablagerungen können Metalle wie Blei, Kupfer oder Eisen ins Trinkwasser abgeben.

  • Besonders in Altbauten oder selten genutzten Leitungen können solche Risiken deutlich höher sein.

Selbst die strengsten Kontrollen des Leitungswassers können diese lokalen Belastungen innerhalb privater Leitungen nicht vollständig abbilden.

4. Die Rolle von Mikroschadstoffen

Ein weiterer kritischer Punkt sind Mikroschadstoffe. Hierzu zählen Rückstände von Medikamenten, Hormonen oder per- und polyfluorierte Chemikalien (PFAS). Sie liegen oft unter den gesetzlichen Grenzwerten, können aber im Dauergebrauch potenziell Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt haben. Offizielle Trinkwasseranalysen erfassen diese Stoffe nur selten oder unvollständig.

5. Was bedeutet das für Verbraucher?

Ein gesundes Wasserbewusstsein bedeutet, nicht nur auf die amtlichen Kontrollen zu vertrauen, sondern auch kritisch zu hinterfragen, welche Stoffe tatsächlich überprüft werden – und in welchem Zustand die Leitungen sind, durch die das Wasser fließt. Leitungswasser ist in der Regel sicher, aber es lohnt sich, über zusätzliche Maßnahmen nachzudenken:

  • Filtern von bestimmten Mikroschadstoffen und Schwermetallen

  • Regelmäßige Tests für private Brunnen oder alte Hausleitungen

  • Spülen und Wartung von selten genutzten Leitungen

  • Informationsquellen wie den Gesundheitskompass nutzen, um auf dem Laufenden zu bleiben

6. Fazit

Leitungswasser in Deutschland ist gut kontrolliert, aber nicht lückenlos „gesund“. Die Begrenzung der getesteten Stoffe, die flexible Anpassung der Grenzwerte und der Zustand alter Rohrleitungen zeigen, dass Verbraucher sich informieren und kritisch bleiben sollten. Wasserbewusstsein bedeutet, sich aktiv mit Qualität, Rückständen, Rohrzustand und möglichen Risiken auseinanderzusetzen.


Gesundheitskompass